Spanische Grippe: Teil 1

Einen Tag später schrieb die Vossische Zeitung, dass weitere Fälle im Deutschen Reich aufgetreten wären. Dieser Artikel war so beschwichtigend wie die Meldung vom Vortage.


29.06.1918, mit gestalteter Überschrift: „Die „spanische Grippe“ in Deutschland.

Transkription
Nun haben wir sie also auch in Deutschland, nur dass sie nicht zuerst in Nürnberg aufgetreten ist, sondern schon seit längerer Zeit in Berlin in recht erheblicher Verbreitung auftritt. Sie beginnt meist ganz plötzlich mit hohem Fieber, allgemeiner Abgespanntheit, Kreuz- und Gliederschmerzen. Daneben Kopfschmerzen und leichte Pharyngitis und Bronchitis. Im allgemeinen ist der Verlauf kurz und leicht.

Diese „spanische Krankheit“ unterscheidet sich in ihren Symptomen und ihrem Verlauf nicht von der Influenza, die schon seit Jahren bekannt ist. Wenn bisher der Erreger der Influenza, der von Pfeiffer in Breslau, einem Schüler Robert Kochs, entdeckt wurde, weder in Spanien noch anderswo, wo diese Seuche aufgetreten ist, nachgewiesen wurde, so ist das nichts außergewöhnliches, da der Nachweis dieses sehr kleinen Bazillus nicht leicht ist, besonders wenn schwere Erscheinungen von Seiten der Bronchien fehlen. Auch ist nichts Ungewöhnliches, dass plötzlich eine Massenerkrankung durch die Influenza hervorgerufen wird. Es dürfte noch in aller Erinnerung sein, dass, als 1889 eine Influenzaepidemie von Asien aus nach Europa übergriff, zahlreiche Massenerkrankungen auftraten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Erkrankung ebenso schnell wieder verschwinden wird, wie sie erschienen ist, ohne bedenkliche Folgen zu hinterlassen.

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