Spanische Grippe: Teil 1

Die jetzt grassierende Corona-Virus Epidemie ist beunruhigend. Für einige Menschen ist die Epidemie sogar beängstigend. Ein kurzer Blick in die Vergangenheit, auf die „Spanische Grippe“, verdeutlicht, wie notwendig, wichtig und richtig die aktuell vollzogenen Maßnahmen sind.

Die Influenza-Pandemie 1918 hat sich in unserem kollektiven Gedächtnis eingeprägt. Die Ermittlung der infizierten Menschen und die Todesfälle wurden und konnten nicht ermittelt werden. Geschätzt werden die Todesfälle auf 25 bis 50 Millionen.

Diese verheerende Wirkung ist aktuell in Europa oder Deutschland nicht zu erwarten. So traf der Influenza Virus 1918 auf durch den Krieg stark geschwächte Menschen. Sie litten unter Hunger, hatten eine unzureichende medizinische Versorgung und lebten unter hygienischen schlechten Bedingungen. Ein kleiner Blick in die Vossische Zeitung in den Zeitraum des Ausbruchs der Epidemie (Juni 1918) in Deutschland soll die Unterschiede verdeutlichen.

Die Vossische Zeitung gilt als seriöse Zeitung. Sie arbeitete nach journalistischen Maßstäben und zeigte darin einen gutes Maß an Objektivität. Deshalb kann die Berichterstattung über die „Spanische Grippe“ als Spiegelbild der damaligen liberal-bürgerlichen Gesellschaft verstanden werden. Auszuschließen ist in der Berichterstattung nicht, dass ein verzerrtes oder einseitiges Bild gezeichnet wurde. Auch das Herunterspielen des Epidemieverlaufes kann aus kriegspsychologischen Gründen die Berichterstattung beeinflusst oder sogar bestimmt haben. Aber eines verdeutlicht die dargestellte Sachlage, wie absolut wichtig eine frühzeitige und umfassende Kontaktminderung zwischen einzelnen Menschen für den Ansteckungsverlauf ist.

Am 28.6.1918 berichtete die Vossische Zeitung in einer kleinen Meldung über eine Massenerkrankung in einem Rüsselsheimer Großbetrieb. Die verantwortliche staatliche Stelle teilte mit, dass es um eine Influenzaepidemie handele, aber deren Höhepunkt „offenbar bereits überschritten“ war.

Transkription
Epidemische Influenza. Die „Frkf Ztg“ meldet: Die Massenerkrankungen, die seit Donnerstag unter der Arbeiterschaft eines Rüsselsheimer Großbetriebs eingetreten waren, erweckten trotz des gutartigen Verlaufs der Krankheit allerlei Gerüchte, die dem Abg Adelung in Mainz veranlassten, im hessischen Ministerium in Darmstadt in dieser Angelegenheit vorstellig zu werden. Geh. Obermedizinalrat Dr. Waltzer erklärte, dass es sich um eine Influenzaepidemie handele, die aber ihren Höhepunkt offenbar bereits überschritten habe, wenn man auch eine Influenza in gegenwärtiger Zeit nicht gerade leicht zu nehmen habe, so liegt doch kein Grund zu irgendwelcher Beunruhigung vor.

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