Spanische Grippe: 2. Teil

Am 25.10.1918 berichtete die Vossische Zeitung aus der Stadtverordnetensitzung. Darin machte der Stadtverordnete Weil (USPD) die Aussage, dass von 885 im Krankenhaus behandelte Fälle 352 verstarben. Bedauerlicherweise wurde nicht der Zeitraum mit genannt. Zu vermuten ist, dass es die Zahl aller Fälle seit dem Ausbruch der Epidemie gemeint waren. Die Epidemie war auf ihrem Scheitelpunkt. Die Aussprache der Stadtverordneten und die Sitzung der Medizinalabteilung des Reichsministerium für Inneres am Folgetag deuten auf eine Bestandsaufnahme der Epidemie, um ein zukünftiges Vorgehen zu beraten.

Am 26. Oktober kamen häufiger Informationen aus dem Reich, in denen ein Rückgang der Neuinfizierten gemeldet wurden. Weitere Maßnahmen wie Schließungen wurden vom Ministerium des Innern (Medizinalabteilung) daher für unnötig befunden. Vielmehr diskutierte man die Wiedereröffnung geschlossener Theater etc. Diese Meldung wurde von dem Vorwärts und der Vossischen gedruckt.

Eine interessante Meldung veröffentlichte die Vossische Zeitung, nach der bis zum 1. Oktober 175.000 Soldaten in amerikanischen Ausbildungslagern erkrankt seien. Von diesen Fällen sollen 1.600 Menschen an der Grippe verstorben sein (28.10.1918 Morgenausgabe). Der Vorwärts brachte diese Meldung nicht. Alle anderen Meldungen des Tages zum Thema Grippe kamen jedoch in beiden Zeitungen vor.

Am 31.10.1918 berichtete die Vossische Zeitung von Schwierigkeiten der Banken die Gelder zu überweisen. Als Begründung wurde die Reichsdruckerei genannt. Durch die Einberufung von Arbeitern zum Militär und die Erkrankungen mehrerer Hunderte konnte die Geldmenge nicht gedruckt werden (31.10.1918 Morgenausgabe). In der Berichterstattung der Vossischen Zeitung am 1. November wurde erneut der Rückgang an Neuerkrankungen gemeldet. Der Vorwärts berichtete am 29. Oktober letztmalig mit einem größeren Bericht über die Grippe. Interessanterweise wurden Verhaltensregeln und Schutzmaßnahmen im Umgang mit der Grippe gemacht. Den Fachleuten war es damals schon bewusst, dass die Ansteckung durch die Luft erfolgte. Deshalb wurde ein Mindestabstand zwischen Menschen festgelegt. Hier war man aber noch sehr großzügig. Der Abstand wurde auf einen halben Meter festgesetzt. Man sollte im Gespräch das Gegenüber nicht direkt anschauen, um eine Tröpfchenansteckung zu vermeiden. Auch forderte man ein Besuchsverbot von Schwerkranken im Krankenhaus.

Zur Monatswende in der das Nachlassen der Epidemie festgestellt wurde, ging die Berichterstattung in beiden Zeitungen stark zurück. Während die Vossische Zeitung vereinzelt kleine Meldungen noch druckte, hatte der Vorwärts die Berichterstattung zum Thema Grippe eingestellt.

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