{"id":789,"date":"2022-03-20T12:57:33","date_gmt":"2022-03-20T11:57:33","guid":{"rendered":"https:\/\/neukoellner-clio.de\/?p=789"},"modified":"2022-07-19T19:38:19","modified_gmt":"2022-07-19T17:38:19","slug":"die-erste-wohnung-1978","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neukoellner-clio.de\/?p=789","title":{"rendered":"Die erste Wohnung &#8211; 1978"},"content":{"rendered":"\n<p>.<\/p>\n\n\n\n<p>1978 war es so weit. Ich bezog meine erste eigene Wohnung. Mit geringem Einkommen reichte es nur f\u00fcr eine Kreuzberger Hinterhofwohnung. Dies allein mag jemanden von heute einen Schauer den R\u00fccken runter laufen lassen. Aus heutiger Sicht w\u00fcrde man wahrscheinlich diese Wohnung als menschenunw\u00fcrdig bezeichnen. Sie geh\u00f6rte schon damals zu den schlechten Unterk\u00fcnften, aber galten als bewohnbar. Einige Eigenschaften der Wohnungen kamen sogar h\u00e4ufig vor. F\u00fcr Altbauwohnungen waren sie fast \u00fcblich.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns alignwide is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:49%\">\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"font-size:17px\">Wie sah diese &#8222;Schreckenswohnung&#8220; aus. Das Haus stand in der Dieffenbachstra\u00dfe in der N\u00e4he des Zickenplatzes. Eine typische b\u00fcrgerliche Stra\u00dfe aus wilhelminischer Zeit. Noch heute befinden sich an den H\u00e4usern die typischen Stuckverzierungen des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts. Wie jedes &#8222;gute&#8220; Mietshaus gab es einen Seitenfl\u00fcgel und ein Gartenhaus. Dahinter lag eine Remise, die damals wahrscheinlich f\u00fcr Pferde als Unterkunft diente. 1978 hatte es den Charakter eines zugigen Stalles. Es beherbergte jedoch keine Pferde mehr, sondern diente als Wohnung f\u00fcr einen jungen Mann. Von au\u00dfen gesehen, war das Haus keine Perle der Gr\u00fcnderzeit, es war in die Tage gekommen, wirkte abgenutzt und grau. Die tats\u00e4chlichen Sch\u00e4den blieben unsichtbar.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:51%\">\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/neukoellner-clio.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/mauer1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-812\" width=\"330\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/neukoellner-clio.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/mauer1.jpg 602w, https:\/\/neukoellner-clio.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/mauer1-221x300.jpg 221w, https:\/\/neukoellner-clio.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/mauer1-79x108.jpg 79w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Wie angedeutet lag die Wohnung nicht in der Bel Etage, aber immerhin im ersten Stock des Gartenhauses. Aber mehr Romantik als &#8222;Gartenhaus&#8220; war nicht vorhanden. \u00dcber stark ausgetretene Holzstufen mit senilem Treppengel\u00e4nde erreichte man die Wohnung. Ausgestattet mit einem Innenklo war sie nahezu luxuri\u00f6s. Hier endet jegliche Annehmlichkeit, die wir heutzutage als selbstverst\u00e4ndlich ansehen. Das Waschbecken im Klo reichte f\u00fcr eine Hand und hatte nat\u00fcrlich kein warmes Wasser. Selbiges war mit einem 3 l Wasserboiler in der K\u00fcche vorhanden. Die Dielen waren angenehm elastisch und erinnerten an weich bemooste Wege.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"373\" height=\"546\" src=\"https:\/\/neukoellner-clio.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/fenster-01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-809 size-full\" srcset=\"https:\/\/neukoellner-clio.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/fenster-01.jpg 373w, https:\/\/neukoellner-clio.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/fenster-01-205x300.jpg 205w, https:\/\/neukoellner-clio.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/fenster-01-74x108.jpg 74w\" sizes=\"auto, (max-width: 373px) 100vw, 373px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:18px\">Die Wohnung bestand aus einem gro\u00dfen Raum, den man durch einen Alkoven betreten konnte. Er hatte selbstverst\u00e4ndlich keinen Ofen. Der Kachelofen stand im gro\u00dfen Zimmer. Es hatte zwei gro\u00dfe Fenster, die nicht auf eine H\u00e4userfront blicken lie\u00dfen. Durch die besondere Art des Fenster (einfach Glas) kam nicht nur Licht in das Zimmer. Im Winter 1978\/79 gab es h\u00fcbsche Eisblumen. Zus\u00e4tzlich froren die Wasserleitungen ein.<\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die pr\u00e4gnanteste Eigenart des Hauses war jedoch die nicht Bewohnbarkeit der oberen Stockwerke. Als eine Art Reminiszenz an den Luftkrieg des Zweiten Weltkrieg waren die Wohnungen nicht instand gesetzt worden?!<\/p>\n\n\n\n<p>Dies war alles in einer Zeit, in der Wohnungen in West Berlin Mangelware waren. Eine Phase, in der sich Schlangen an den Telefonzellen am Bahnhof Zoo bildeten, um schnellstm\u00f6glich Vermieter anrufen zu k\u00f6nnen, wenn der Immobilienteil der Sonntagsausgabe der Berliner Morgenpost in den Verkauf kam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>. 1978 war es so weit. Ich bezog meine erste eigene Wohnung. 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